Was bis jetzt geschah…Fortbildung muss sein!

Schottland: Nabel der Welt

Die Berufsbezeichnung Hebamme darf ich schon seit längerem führen. Irgendwann wurde es mir aber (intellektuel) zu langweilig und ich wollte mich weiterbilden.

2007 habe ich als eine der ersten Hebammen in Deutschland an der Glasgow Caledonian University den Abschluss Bachelor of Science with honours in Midwifery (Hebammenwesen) erreicht.Das war eine sehr interessante Erfahrung. Der neue Umgang mit Computern, Online-Bibliotheken und der Blick über den (deutschen) Tellerrrand haben mich eindeutig weiter gebracht. Ich kam mit vielen Hebammen aus unterschiedlichen Ländern in Kontakt. Besonders die maltesischen Hebammen haben mich mit ihrer Energie und ihrem Lernwillen beeindruckt. Die Verleihungszeremonie mit den internationalen Absolventen in feierlichen Umh?ngen und begleitenden Dudelsackspielern in der City Hall in Glasgow wird mir immer in Erinnerung bleiben.

2013 habe ich einen den Abschluss Master of Arts in Erwachsenenbildung an der Technischen Universität Kaiserslautern erreicht. Besonders der Bereich Intelligenz, vor allem die emotionale Intelligenz, oder besser emotionale Kompetenz, haben mich sehr interessiert, so dass ich meine Abschlussarbeit darüber verfasst habe.

 

Ethisch vertretbares Sponsoring gesucht

Seitdem versuche ich mich mit, nicht allzu sinnlosen, Fortbildungen weiterzubilden. 60 Stunden Fortbildungspflicht müssen es sein in NRW. Da ich meine Fortbildungen alle aus eigener Tasche bezahlen muss, und auch das Krankenhaus, an dem ich arbeite, keine Fortbildungen bezahlt, sollte man schon mal auf’s Geld achten. Leider bewahrheitet sich „billig taugt nichts“ in diesem Bereich häufig. Gesponserte Fortbildungen mit und durch Firmen, die Pflegeprodukte und Babynahrung herstellen, lehne ich ab. Meine Objektivität ist mir wichtig und mein Wohlwollen kann man nicht erkaufen.

 

Die Baumwolltasche

Mehr Gewinn an Fortbildung hat man leider auf Hebammenkongressen auch nicht. Einem Publikum von mehreren Hundert Hebammen werden immer die gleichen, wohlgesonnen Referenten präsentiert. Der Lernerfolg und der Fortbildungsnutzen sind praktisch gleich Null. Es erfolgen keine Reflektion, kein wirklicher Austausch mit den Zuhörern. Schließlich geht man nach Hause, in der Tasche Prospekte von Abrechnungssoftware, Werbung, Kugelschreiber, alles in einer Baumwolltasche. Die neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen nichts, wenn die Arbeitsstätte, das Krankenhaus, diese nicht umsetzen. Schließlich ist die normale Hebamme nicht verantwortlich für die Gestaltung von hausinternen Leitlinien, sondern die ärztliche Zunft. Da fragt man sich machmal als Hebamme, warum man Fortbildungen besuchen muss.

Übrig bleibt als einziges die Baumwolltasche.