Über mich

 

Esoterik oder Wissenschaft

Ich heiße Kirsten und bin Hebamme. Ich bin nicht esoterisch veranlagt, pflücke keine Kräuter bei Vollmond im Garten, stricke keine Socken oder trage mein Haar in Dreadlocks. Das mit den Socken liegt daran, dass ich nicht stricken kann, nicht dass ich selbstgestrickte Socken blöd oder alternativ finde. Stricken gehört nur mal leider nicht zu meinen Talenten.

Und bei der Kräuterkunde bin ich froh, wenn ich Lavendel von Rosen unterscheiden kann. Kerzen finde ich auch toll für eine gute Stimmung, aber zuweilen vergesse ich es auch, Zuhause bei einer Geburt Kerzen anzuzünden. Im Krankenhaus sind Kerzen aus Brandschutzgründen ja eh nicht erlaubt.

Sorry. Das Klischee der alternativen Hebamme kann ich leider nicht erfüllen.

Dafür finde ich wissenschaftliche Studien, die man auch auf Herz und Nieren, sprich auf die Solidität der Aussagen untersucht hat, schon sehr gut. Mit dem Spruch: „Das macht man halt so.“ oder  „Das ist die Routine (ein CTG zu schreiben/einen Doppler zu machen/Blut abzunehmen etc.)“

-damit kommt man bei mir nicht weit. Ich halte mich gerne an Leitlinien, wenn diese auf dem aktuellen Stand sind, aber nehme mir auch das Recht heraus, zusammen mit der schwangeren Frau, auch in begründeten Fällen, abzuweichen.

Also: Wissenschaft und Esoterik nehme ich beides, wenn man darüber nachdenkt, wann was sinnvoll ist.

 

Zwischen Fließband und Infoabend

Hebamme zu sein ist ein toller Beruf. Ich dachte mir mit 19 Jahren, dass es eine ganz gute Sache sei, Frauen in schwierigen Situationen zu helfen. Das denke ich auch immer noch. Am liebsten arbeite ich in der Schwangerenvorsorge, weil ich dort die Schwangeren am besten auf die Geburt und das Wochenbett vorbereiten kann. „Na, wie viele Kinder werden’s denn heute Nacht noch?“ fragt mich der Nachbar, ein pensionierter Lehrer vor dem Gang zum Nachtdienst. Geburten sind doch (eigentlich) keine Fließbandarbeit!

Geburten sind für alle Beteiligten anstrengend, nicht nur für die Schwangere, sondern auch für werdenden Vater, Arzt/Ärztin und für die Hebamme. Für das Personal kommt der täglich Schichtdienst und die Wochenenddiensten als normale Belastung dazu.

In der außerklinischen Geburtshilfe sieht das dann schon anders aus. Ich betreue eine Frau, zwar intensiv und auch schon mal über eine sehr länger Zeit als eine 8-Stundenschicht, aber dafür sehr gut. Da macht Geburtshilfe wieder wirklich Freude!

Rückbildungskurse stehen auf meiner Favoritenliste nicht ganz oben. Seien wir mal ehrlich: wer macht schon gerne Sport und spielt dabei auch noch den Entertainer für die Menge? (Einen kleinen Exkurs zu Beckenbodentraining gibt es hier. )

Kreißsaalführungen, auch werbewirksam „Infoabende“ genannt, sind ein Alptraum für mich: 100 Menschen sehen einen an, und wollen in die Geheimnisse der Geburt eingeweiht werden.

Mein Traum: Eins-zu-eins-Betreuung

Entertainment der Massen und Fließbandarbeit: Nein, danke.

Update 2020: Den Traum von Hebamme und schwangerer Frau von der 1:1 Betreuung habe ich wahr werden lassen. Seit Ende 2019 arbeite ich in der außerklinischen Geburtshilfe und finde die enge Betreuung von Frauen/Eltern/Kindern richtig, richtig gut.

Ich frage mich aber, warum nicht alle Hebammen das tun?