Beckenboden – Rückbildungsgymnastik und der Spaß

„Machen Sie lieber was Ihnen Spaß macht!“

Diesen Ratschlag gab mir damals meine Gynäkolgin bei der Nachuntersuchung nach der Geburt meines ersten Kindes. Ich habe dann trotzdem einen Kurs besucht, selbst als Hebamme- und fand ihn tatsächlich eher sehr mäßig in Bezug auf meinen Beckenboden. Auch spaßig oder unterhaltsam fand ich den Kurs ehrlicherweise nicht. Ein anderer Faktor ist aber natürlich auch die soziale Komponente. Viele Frauen freuen sich mit anderen jungen Müttern in einen Austausch zu kommen. Vor allem zur Zeit, da in der Corona-Pandemie keine Kurse stattfinden dürfen, höchstens online, trauern die Frauen den Kursen als Austauschmöglichkeit hinterher.

 

Die Probleme mit den Kursen

Es ist ja nicht so einfach, einen Rückbildungsgymnastik (auch außerhalb der Corona-Pandemie) zu besuchen, da mehrere Hürden überwunden werden müssen:

  • ein Baby muss untergebracht werden
  • Rückbildungsgymnastik  wird nicht ausreichend angeboten, so dass Frauen monatelang auf einen Platz warten müssen
  • der Kurs ist im schlechtesten Fall langweilig (seien wir mal ehrlich)
  • und damit auch wenig effektiv

 

Fehlende Angebote

Die fehlenden Angebote resultieren aus mehreren Problemen:

  • Die Kurse sind für Hebammen schlecht bezahlt. Eine Zeitstunde wird mit 7,96€ brutto vergütet. Noch Fragen?
  • Der Bezahlung setzt sich aus Teilrechnungen zusammen.Die Krankenkassen bezahlen nur Stunden, zu denen die Frau auch anwesend ist. Den Rest kann die Hebamme der Frau in Rechnung stellen. Da erfahrungsgemäß nie alle Stunden von den Frauen wahrgenommen werden, kann man allen Teilnehmerinnen jeweils eine Rechnung stellen. Zeitaufwand und Porto kommen als Ärgernis hinzu. Leider ist die Zahlungsmoral nicht immer die beste, auch, oder vielleicht gerade, wegen der geringen Beträge.
  • Die Elternschule/Praxis etc. wo der Kurs angeboten wird, verlangt eine Miete/Teil der Einnahmen, was den Gewinn weiter schmälert.

 

Nötig, aber langweilig

  • Die Angebote zur Weiterbildung zum Thema Rückbildungsgymnastik und Beckenboden für Hebammen sind, meines Erachtens, sehr konzentriert auf den Beckenboden ohne moderne Fitnesskonzepte mit einzubeziehen.
  • Machen die Kurse mehr Spaß, werden die Frauen auch mehr Spaß haben, auch bei nicht durchgeschlafenen Nächten und Müdigkeit, am Kurs teilzunehmen
  • Die Effektivität überpüft ja keiner. Die Übungen geraten in Vergessenheit. Bis, ja, bis wir einsehen, dass Trampolinspringen doch nicht mehr geht. Für Inkontinenzprobleme gibt es dann Tena Lady oder irgendwelche Discreet Slips. Diese möchte aber wirklich keine Frau tragen, weder mit 30, noch 40, 50 oder 60 Jahren. Dagegen müssen wir nun mal eben etwas tun!

 

Was tun, wenn der Kurs nicht stattfindet, nicht reicht oder auch nicht effektiv war?

Ein paar Hilfen gibt es zum Glück in Form von Buch und DVD von Christine Küsters-Niersmann. Hier ist das Buch „Rückbildungsgymnastik“ und „Mein starker Beckenboden“ zu nennen. Ausschließlich Büchern zu nehmen für sportliche Aktivitäten, halte ich persönlich für wenig effektiv. So beshränken sich leider viele Angebote, auch bei Rückbildungsgymnastik/Beckenboden im Yogabereich, auf Bücher.

Wer gute Tipps an DVD’s hat, soll sie bitte nennen!

 

Das Feedback

Generell ist nach dem Wochenbett natürlich Pilates zu empfehlen, weil der Beckenboden inclusive Unterbauch immer bei den Übungen angespannt werden (soll). Ebenso kann Yoga natürlich hilfreich für den Beckenboden sein. Hier gilt immer, dass die Anleitung gut sein muss. Versteht die Teilehmerin nicht, wo der Beckenboden ist oder wie man ihn anspannt, nützt der Kurs nicht viel. Das ist natürlich auch ein Problem bei der klassischen Rückbildungsgymnastik und noch mehr bei Onlinekursen oder, am meisten, bei Büchern oder DVD’s. Die Rückmeldung der Kursteilnehmerin fehlt häufg oder die Kontrolle durch die Kursleiterin ist unzureichend oder nicht vorhanden.

 

Trainingstools

Einen tollen Artikel zum Thema Trainingstools gibt es von Jana Friedrich in ihrem „Hebammenblog“. Zum Artikel geht es hier.

In ihrem Artikel beschreibt sie detailliert verschiedene Trainingstools von den üblichen Liebeskugeln, zu speziellen Konen, bis hin zu Biofeedback und Tens-Geräten. Dabei nennt sie Vor- und Nachteile und bringt der Leserin über ihre persönlichen Einsichten die Trainingstools sehr sympathisch näher.

Da bekommt man tatsächlich sogar Lust und wird neugierig diese Tools auszuprobieren.

Ich gebe den Artikel bei Fragen nach weiteren Trainingsmöglichkeiten speziell zum Beckenboden sehr gerne weiter.

Der Blog  von Jana Friedrich richtet sich hauptsächlich an Schwangere und Mütter und bietet für diese ein reiches Spektrum an Artikeln über nützliche und aktuelle Themen. Der Hebammenblog ist einer der ersten Blogs, der ausführlich, auch aus persönlicher Sicht, bzw. aus dem Arbeitsalltag heraus, berichtet. Die Berichte sind wirklich vielschichtig, von Buchempfehlungen, auch von eigenen Büchern, über Erlebnisberichte aus Indonesien. Man merkt, dass Jana gerne schreibt und berichtet.