HypnoBirthing- schmerzfrei gebären? Oder: Es ist wichter, gute Eltern zu sein, als gute Patienten!

Ich habe mich zur Fortbildung HypnoBirthing gewagt, weil ich die Hintergründe für dieses Konzept der Geburtsvorbereitung ergründen wollte. Immer mehr Frauen vertrauen sich diesem Trend an und gelangen mit ihrer etwas anderen Art der Geburtsvorbereitung in den Kreißsaal und wollen schmerzfrei gebären.

 

Geburtspläne so lang wie Einkaufslisten

Sind die Schwangeren jetzt alle hypnotisiert und entschweben der Realität? Warum haben sie einen endlosen Geburtsplan dabei, so lang wie eine Einkaufsliste zu Weihnachten? Warum wollen alle in die Badewanne? Und warum sind die meisten anscheinend überfordert, wenn die Geburt einen anderen Verlauf annimmt als sie sich monatelang visualisiert haben? Oder gar mit PDA, Wehentropf, Saugglocke oder Sectio endet?

Die Eltern kommen mit einem etwas anderen Vokabular um die Ecke: Wellen statt Wehen. Druck statt Schmerz. Besondere Umstände anstatt Komplikationen. Atmen statt mitschieben oder gar pressen. Je nach Persönlichkeiten der Eltern werden CTG, Einleitung und medizinische Eingriffe (zu Recht) verwundert, kritisch, argwöhnisch oder misstrauisch betrachtet. Allmählich werden dann HypnoBirthing Eltern für das Personal anstrengend. Klar, Maßnahmen müssen mit allen Nebenwirkungen und Risiken aufgeklät werden, schließlich sind wir in den Zeiten des „informend consent“ Aber so viel (kritisches) Nachfragen seitens der Eltern und dann diese Beharren auf „Wellen“ anstatt Wehen nagt dann an den Nerven des Personals.

Ich habe mich also im März 2019 in die Fortbildung zur Kursleiterin begeben

12 Personen, darunter ein HypoBirthing Vater, der mit seiner Frau angereist war, zwei weitere Hebammen, eine Ergotherapeutin, zwei Hypnosethearpeutinnen und weitere begeisterte HypnoBirthing Mütter hatten sich ebenfalls zum viertägigen Kurs angemeldet.

Das Konzept

Insgesamt besteht HypnoBirthing aus einer guten psychosomatische Geburtvorbereitung, die mit Gruppenhypnose und einer starken Beteiligung der Eltern kombiniert wird. Sämtliche Empfehlungen und Forderungen, die in den Eltern beim HypnoBirthing den Eltern vorgestellt werden, stimmen mit den Empfehlungen der WHO überein und sind keine aus der Luft gegriffenen Wunschträume.

Der Clou an dem Konzept ist, dass die Eltern Hilfmittel an die Hand bekommen, mit der sie bei der Geburt selbstständig und unabhängig vom Personal bleiben. Kritisch gesprochen findet eine Art „Gehirnwäsche“ statt, nach der sie davon überzeugt sind, dass Geburten unkompliziert und schmerzfrei verloren.

Klar, wer davon ausgeht, dass eine Geburt das schlimmste Ereignis des Lebens wird, weil alle das behaupten. Und dass man ohne Technik und Überwachung das Leben des Kindes risikiert und nur ein Kaiserschnitt das Leben rettet- derjenige wird auch das bekommen,was er erwartet.

 

Kritikpunkt

Leider, und das ist ein Kritikpunkt am HypnoBirthing Konzept, wird sich ausschließlich auf die normale, positiv erlebte Geburt vorbereitet. Ist das Erleben plötzlich doch im Bereich des Schmerzhaften, oder wird in der Klinik die Routine abgespielt mit CTG Kontrollen, Rückmeldungen, dass alles etwas langsam verläuft oder tagelanger Einleitung wegen Übertragung, dann sind Eltern irritiert, misstrauisch oder Erleben die Geburt nicht als die vorgestellte und erwünschte Traumgeburt. Enttäuschung auf Seiten der Eltern droht.

Und da ist da noch das Kind, was sich auch vielleicht meldet und die Geburt als nicht ganz so traumhaft erlebt. Der Spagat zwischen zuviel Überwachung und Kontrolle des Kindes und den Wunsch nach Eltern nach einer schmerzfreien und entspannten Geburt ist schwierig in der Klinik. Leitlinien geben Maßnahmen vor bei Terminüberschreitung, bei Zustand nach Sectio, beim Blasensprung. Man muss sich auch an Empfehlungen zum CTG halten, damit man sicherstellt, dass man gute, sichere Geburtshilfe leistet und nicht irgendwann verklagt wird. Von diesen Zwängen in der Geburtshilfe ahnen Eltern nichts.

Fakt ist, dass man in einer Klinik schnell in die Routinemühlen gerät. Da aber die meisten Geburten dort stattfinden, passt das Konzept des HypnoBirthings mit der schmerzfreien, wunderbaren Geburt nicht in die Welt der alltäglichen deutschen Geburtshilfe.

Ein weiterer Kritikpunkt ist auch das Werben mit einer schmerzfreien, angenehmen Geburt. Dies finde ich irreführend und sogar bedenklich. Klar, wer will keine schmerzfreie Geburt? Und, mal ehrlich, auch mit einer PDA ist eine Geburt nicht schmerzfrei. Diese Versprechen zieht als Magnet nun einmal die Schwangeren an. Besser wäre es von einer gut zu bewältigenden Geburt zu sprechen. Dass man die Arbeit des Körpers an nimmt und auch zu akzeptieren, dass es nicht nur „drückt“, wenn ein Kind geboren wird.

Fazit

Zweifelsfrei gibt es sehr entspannte Geburten mit ganz konzentrierten, entspannten Schwangeren. Auch ohne HypnoBirthing. Allerdings spricht HypnoBirthing Eltern an, die auch sehr aktiv etwas zum Gelingen einer entspannten Geburt tun möchten, die nicht alle Entscheidungen obrigkeitshörig dem Personal überlassen. Und, nach meiner Meinung, sind das schon mal Eltern, die sich Gedanken machen und darum Kämpfen, dass es ihnen und ihren Kindern gut geht.

„Es ist wichtiger, gute Eltern zu sein, als gute Patienten.“

Wenn man wirklich Eltern auf Augenhöhe begegnen will und ihnen nicht die Kompetenz abspricht, Entscheidungen zu treffen. Dann sollte man Eltern, die mit ihrem HypnoBirthing „Köfferchen“ an Gedanken und Techniken zur Geburt kommen, eher als selbsständige und selbstbewusste Menschen begrüßen.