Baby led weaning

28 Fortbildungsstunden Breifrei

Bei meiner letzten Fortbildung habe ich mich intensiv mit dem Thema „Baby led weaning“ oder sehr holprig „Babygeleitetes Entwöhnen“, oder etwas griffiger „Breifrei“ beschäftigt. Soll das ein neuer Trend am Babymarkt sein? Ist das „sicher“? Was sagt man Eltern dazu?

Meine Kollegin fragte mich dann auch: „Wie, da kann man sich so lange mit beschäftigen?“ Ja, das geht.

 

Ansichten zur Beikost

Die übliche Vorgabe wie Babies am besten und ehesten zugefüttert werden sollen, stammt vom Deutschen Institut für Kinderernährung in Dortmund. Das stufenweise Einführung von festgelegtem Brei wird dort ab dem 5. Monat, mit einer möglichen Verschiebung bis zum 7.Lebensmonat, empfohlen. Es git als „best practice“, also ein“ haben wir schon immer so gemacht und hat sich bewährt“. Die WHO empfiehlt hingegen ausdrücklich bis zum Ende des 6. Lebensmonats voll zu stillen. Dies deckt sich auch mit der Empfehlung, die die BFHI (Baby friendly hospital initiative) herausgibt. Ebenso wird ein Stillen bis zum zweiten Lebensjahr ausdrücklich empfohlen. Eine Empfehlung der WHO zur Beikost und zur Ern?hrung kleiner Kinder gibt es hier .

Also, ist sowohl B(r)eikost oder auch breifrei nach dem 6.LM nichts ungewöhnliches und beim Stillen auch gesund. Da ja auch Stillen gesund ist. Und die WHO ist eine anerkannte, weltweite Organisation, die nicht nur Kinder in Deutschland Gesundheit wünscht, sondern allen Kindern, weltweit. Dabei wird das mitteleuropäische Kind mit dem Pürrierstab bewaffneten Eltern, die nationalen Empfehlungen befolgen, aber glücklicherweise mit eingeschlossen.

 

Sicherheitsaspekte

Das Verschlucken bei breiloser Kost ist ein gängiges Argument gegen breifreies Essen. Hier muss man bedenken, dass Kinder(gestützt) sitzen, d.h ein Rumpfkontrolle besitzen müssen. Das heißt in der Praxis, dass Babies aufrecht sitzen sollen und nicht im Liegen gefüttert werden. Eltern müssen ihr Kind immer beim Essen beaufsichtigen, damit man Verschlucken bemerkt. Rohes Gemüse, Nüsse sind, wie auch bei der normalen Beikost, verboten.

Das Argument der Mangelversorgung von Eisen greift nach dem 8.Monat.Die mitgebrachten Eisenspeicher sind spätestens dann aufgebraucht und ein Baby darf nicht mehr voll gestillt werden und braucht Beikost. Am Ende des ersten Lebensjahres kann die Kalorienzufuhr aus Muttermilch noch 50% betragen. Da Flaschennahrung weniger wertvoll ist, kann ein Zufüttern bereits ab dem 5. Lebensmonat erfolgen, falls das Baby bereit für Beikost ist.

 

Zeichen für Beikostreife

1. Das Baby hat eine Rumpfkontrolle, d.h. es kann (gest?üzt) sitzen

2. hat keinen Zungenstoßreflex mehr

3. und besitzt Augen/Hand/ Mund Koordination.

Das ist nichts neues: Das Kind sollte sitzen können und nicht im Liegen gefüttert werden. Das Kind kann das Essen aufnehmen und stößt es nicht mit der Zunge hinaus. Und das Kind kann sich das Essen selbstständig in den Mund stecken.

 

Responsives Füttern

„Breifrei“ ist ein irreführender Begriff. Baby led weaning meint selbstbestimmtes Essen. Das schließt Brei nicht aus. Dabei kann das Kind sich allerdings selbst mit einem Löffel füttern oder ein anderer füttert, wobei auf das Kind eingegangen wird. Also, kommt das Kind dem Löffel entgegen?Will es noch essen?

Falsch gemeinte F?rsorge ist das F?ttern im Liegen, möglichst kleckerfreies Füttern, Festhalten der Arme, „Stopfen“ und ständiges Abwischen des Mundes mit dem Löffel. Stolze Eltern posten mittlerweile überall Videos der ersten Fütterungsversuche ihrer Kinder. Erschreckend ist dabei die teilweise fehlende Empathie der Eltern, dass ihre Kinder diese Art und Weise der Nahrungsaufnahme offensichtlich nicht gefällt. Videolink hier.

 

Satt und versorgt ?

Warum haben wir eigentlich immer Angst, dass Babies und Kleinkinder nicht ausreichend zu Essen bekommen? Reicht die Muttermilch? Ist sie nicht zu gelb, zu durchsichtig, zu dünn? Wir müssen für Kinder alles messen in Milliliter und Gramm und benötigen Ein- und Ausfuhrkontrolle. Schließlich geht es in Perzentilenkurven im U-Heft weiter.

Da kommt schon mal der Zweifel auf, ob das (angeblich) ungesteuerte Essen eines Kleinkindes die benötige Kalorienzahl deckt. Die Experten mahnen außerdem vor Eisen-, Jod- und Zinkmangel. Der Allergiegefahr soll mit termingerechter Zufütterung entgegen gegangen werden.

Baby led weaning meint nicht, dass Kinder sich unbeaufsichtigt irgendwie selbst versorgen sollen. Kinder sollen am Familientisch mitessen, unter Aufsicht und mit Unterst?tzung.

Neu ist das Konzept des baby led weaning nicht. Schließlich haben Eltern ihre Kinder auch vor der Erfindung des Pürrierstabes und von Ernährungsplänen ernähren können.

 

(Foto mit Genehmigung von www.tatjebartigprang.de)