Gedanken zur WHO Empfehlung zur normalen Geburt

Die WHO meint es gut: Frauen sollen ein positives Geburtserlebnis haben dürfen. Leider wird nicht wirklich definiert, wer denn nun eine Risikoschwangere oder was eine Risikoschwangerschaft ist. Ist die 38-jährige Frau mit Heuschnupfen und Blutungen in der 12. SSW jetzt risikoschwanger oder nicht? Ist eine Frau, die den berechneten Entbindungstermin um 10 Tage überschreitet risikoschwanger? Ist eine Frau nach Sectio risikoschwanger? Ist eine Frau mit 3 cm Muttermunderöffnung noch gar nicht unter der Geburt?

In Deutschland rutscht manche Schwangere schneller in die Schiene „risikoschwanger“ als sie gucken kann. Sind deutsche Schwangere vielleicht per se risikoschwanger durch die mindestens 3 bis auch mal 12 Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft ? Es ist ja schön, dass der normalen Schwangeren das Becken nicht mehr ausgemessen werden soll. Kann ja sowieso fast keine Hebamme mehr. Und der Beckenzirkel liegt eh irgendwo. Da dem Ultraschall mehr Aussagekraft zugeschrieben wird, kann man sich die Beckenmessung ja sparen…


Eine kontinuierliche Hebammenbetreuung durch Hebammen, die die Frau bereits vorher kennt, wird empfohlen. Leider ist dies mit unserem normalen Schichtsystem, in dem eine Frau die Hebamme, die gerade da ist, nehmen muss, nicht möglich. Unser Kreißsaalsystem ist darauf ausgelegt, das Personal möglichst effizient einzusetzten. Also, je mehr Frauen die Hebamme betreut und entbindet, umso Geld fürs Krankenhaus. Es wären viel mehr Hebammen nötig, um in Teams die gleiche Anzahl an Frauen zu betreuen. Um auf genügend Gewinn fürs Krankenhaus zu kommen, müssten die Geburten besser bezahlt werden.


Das routinemäßige Aufnahme CTG ist bei normalen Schwangeren und Geburten überflüssig. Alle wissen es, oder sollten es wissen. Jeder macht es aber. Weil es Vorschrift im Kreißsaal ist, weil man es dokumentieren kann, weil die Hebammen und Ärzte sich sicher fühlen. Außerdem ist die Frau beschäftigt, oder zumindest angeleint und wartet auf die Rückkehr der Autoritätsperson, die das CTG für ausreichend lang bewertet. Bei einer Hausgeburt braucht die Hebamme kein CTG zu schreiben und auch im Hebammenkreißsaal muss Hebamme es nicht machen. Das wird durchaus als sicher bewertet.

Leider wird dem CTG immer noch soviel Stellenwert zugeschrieben, dass, aus Angst etwas falsch zu machen, oder verklagt zu werden, immer mehr CTG geschrieben wird.

Außerdem wird durch die alternativ mögliche Auskultation per Dopton (oder sogar Hörrohr) deutlich, dass soviel Personal gar nicht zur Verfügung steht. In der Eröffnungsphase sollte ein Auskultieren alle 15 Min, in der Austreibungsphase nach jeder Wehe erfolgen. Die Hebamme müsste also auch anwesend sein in der gesamten Austreibungsphase. Soviel Zeit hat einfach keine Hebamme in einem normalen Kreißsaal.


Kristellern, also der Druck auf den Fundus, wird nicht als Routinemaßnahme bei einer normalen Geburt eingestuft. Das ist auch sehr schön so. Ebenso sollte die Fachperson die Technik richtig beherrschen und eine Begründung für die Maßnahme haben. Außerdem sollte sich die Schwangere dazu äußern dürfen, ob sie einverstanden ist und die Maßnahme tolerieren kann.


Aufrechte Haltung und Mitschieben

Beides sollte eigentlich normal bei einer Geburt, aber auch bei einer Risikogeburt, sein. Hier ist ein hindernder Faktor Zeitmangel, d.h. der normale Zeitraum wird überschritten, wenn eine Frau einfach nach Bedarf mitschiebt. Der angebliche Geburtsstillstand droht. Oder die Hebamme oder der Arzt haben keine Zeit, weil noch andere Frauen unter der Geburt sind. Aber auch, weil die Frau eine PDA hat und wenig Kontrolle über ihre Beine und kaum Druckgefühl nach unten spürt, kann sie nicht mitschieben.

Eine generelle Entschuldigung für die Rückenlage und Powerpressen darf dies aber nicht sein. Übrigens wurde bewiesen, dass aktives Mitdrücken die letzte Phase der Geburt nur unwesentlich verkürzt und auch kein verbessertes outcome von Mutter und Kind bringt.