WHO Empfehlungen – erste Phase der Geburt

Allgemein

Die WHO empfiehlt, dass alle Schwangeren weltweit während der Geburt eine repektvolle Geburtsbegleitung (respectful maternity care) erfahren sollen, die eine Wahrung der Würde der Frau, ihre Unversehrheit und die Möglicheit zur Mitentscheidung (informed choice) beinhaltet. Die Schwangere soll eine effektive Kommunikation erfahren und eine Begleitung zur Geburt wählen dürfen. Eine hebammengeleitete, kontinuierliche Betreuung ist empfohlen, wo solche Strukturen bereits vorhanden sind.

Anmerkung: ->Für uns mag sich das selbstverständlich anhören, dass eine Schwangere wählen kann, wen sie zur Geburt mitnimmt, und dass sie gefragt wird oder informiert wird, was mit ihr geschieht, und dass sie miteinscheiden kann. Wenn man aber die Realität betrachtet, erkennt man, dass auch in Deutschland eine Schwangere nicht unbedingt die Personenanzahl im Kreißsaal bestimmen kann, weder die Anzahl an unvertrautem Personal noch die Anzahl von vertrauten Familienangehörigen und Freunden. Eine hebammengeleitete, kontinuierliche Betreuung ist leider nur selten bei normalem Stellenplan in einem normalen Kreißsaal möglich. Ausweichmöglichkeit bietet nur eine Hausgeburt oder eine Geburt mit einer Beleghebamme in 1:1 Betreuung.

 

Eröffnungsphase

Latenzphase

Die Latenzphase wird gekennzeichnet durch (unregelmäßige) schmerzhafte Kontraktionen, die den Muttermund bis 5cm öffnet. Die Dauer der Latenzpahse variiert erheblich von Frau zu Frau und ist in ihrer Dauer nicht festgelegt. Darüber sollten Frauen informiert werden.

Aktive Eröffnungsphase: Dauer und Fortschreiten

Die aktive Eröffnungsphase wird gekennzeichnet durch regelmäßige, schmerzhafte Kontraktionen, die den Muttermund ab 5 cm etwas zügiger öffnen. In der Regel überschreitet die aktive Eröffnungsphase (von 5 bis 10 cm Muttermund) 12 Stunden beim ersten Kind nicht, und bei folgenden Kindern 10 Stunden .

Die WHO widerspricht der Ansicht, dass sich in der aktiven Phase der Geburt der Muttermund pro Stunde einen Zentimeter öffnen muss, um einen normalen Geburtsablauf zu beschreiben. Vor einer Muttermundseröffnung von 5 cm sollten keine Interventionen, wie Oxytocin oder ein Kaiserschnitt stattfinden, so lange es Mutter und Kind gut geht.

Anmerkung: ->Von möglichen Zeiträumen von 12 Stunden beim ersten Kind ab einer Muttermunderöffnung von 5 cm sind wir meilenweit entfernt. Hier werden Geburtshelfer nervös , wenn sich die Muttermunderöffnung verzögert. Daraus resultiert häufig aktives Management der Geburt bzw. der Entschluss zur Sectio.

Aufnahme

Nicht empfohlen wird ein Ausmessung des Beckens bei Aufnahme und ein CTG bei gesunden Frauen bei spontanem Geburtsbeginn. Ein Auskultieren mit Dopton oder Pinard Hörrohr wird stattdessen empfohlen. Eine dauerhafte Überwachung mit CTG wird nicht empfohlen, dafür eine intermittierende Auskultation mit Dopton oder Hörrohr. Sowohl eine Rasur als auch ein Einlauf werden nicht empfohlen.

Verlauf und Schmerzerleichterung

Je nach Verlangen der Frauen können Schwangere eine PDA, Schmerzmittel (auch parenterale Opioide), aber auch Massage oder Wärmeanwendung erhalten. Sowohl Bewegung, als auch aufrechte Positionen sollten bei der Geburt unterstützt werden. Frauen sollen sowohl essen als auch trinken können. Schmerzerleichtreung durch Entspannungstechniken, Atmung, Musik oder andere Techniken werden empfohlen.

Eine vaginale Untersuchung wird alle 4 Stunden empfohlen. Eine Amniotomie, um eine Verzögerung der Geburt zu vermeiden oder eine frühe Amniotomie mit früher Oxytocingabe, wird nicht empfohlen. Bei PDA wird eine (routinemäßige) Gabe von Oxytocin, um eine Verzögerung der Geburt zu vermeiden, nicht empfohlen. Die (präventive) Gabe von Spasmolytica, um eine Verzögerung der Geburt zu vermeiden, wird nicht empfohlen.

Anmerkung:->Eine bei uns übliche vaginale Untersuchung alle 2 Stunden bei gesunden Frauen mit spontanem Geburtsbeginn widerspricht somit der Empfehlung der WHO. Einem aktiven Management der Geburt, wie durchaus üblich, durch Amniotomie und Oxytocingabe, wird widersprochen. Seltsam mutet allerdings die Empfehlung an, auf Wunsch auch opioidartige Schmerzmittel zu geben, da der nachteilige Effekt v.a. auch die Neugeborenen mit Atemdepressionen und Anpassungstörungen bekannt ist. Lachgas als Schmerzerleichterung wird ebenfalls nicht empfohlen, bzw. es wird keine Aussage darüber getroffen.

 

 

 

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